Behandlungsschwerpunkte

Angststörungen

Inhalt:

Was sind Angststörungen?

Angst kennt jeder und sie gehört zum Leben. Sie tritt auf, wenn uns Gefahren drohen und hat damit eine wichtige Schutzfunktion. Wenn sich Angstgefühle „verselbständigen“ und auftreten, ohne dass wir in einer Gefahrenlage sind, bekommt die Angst krankheitswert. Es ist manchmal nicht ganz einfach, eine genaue Grenze zu ziehen, die zudem von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist. Aber man kann sagen, dass die Angst in dem Moment krankhaft ist, wenn sie ihre eigentliche Funktion verliert, das heißt, uns nicht mehr vor einer Gefahr schützt, sondern unser Leben behindert. Krankhaft sind Ängste also dann, wenn sie ohne reale Bedrohung auftreten, unangemessen, zu stark, zu häufig und zu lange andauern sowie mit ausgeprägter körperlicher Symptomatik verbunden sind und das Leben des Einzelnen deutlich einschränken.

Häufigkeit und Verteilung von Angststörungen

Angststörungen sind noch vor den Depressionen die häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Allein in Europa leiden rund 60 Millionen Menschen daran, ungefähr zwölf Millionen Menschen, also etwa 15 % sind es in Deutschland, Frauen sind 2 – 3 mal häufiger betroffen als Männer. Der Beginn liegt meist in der Jugend bzw. im jüngeren Erwachsenenalter. Nach Einschätzung von ärztlichen Fachgesellschaften wird rund die Hälfte aller Angststörungen nicht erkannt und deshalb nicht richtig behandelt. Die Folge: Es drohen Chronifizierung und Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Sucht.

Vielschichtiges Krankheitsbild und Hauptsymptome

Wir finden bei Angststörungen ein vielschichtiges Krankheitsbild. Es wird zwischen folgenden Diagnosen unterschieden:

Panikstörung
F41.0
Plötzlich auftretende Angstanfälle mit den körperlichen Ausdrucksformen der Angst (Herzrasen, unregelmäßiger Herzschlag, Schwitzen, Zittern, Beben, Mundtrockenheit, Atemnot, Erstickungs-gefühl, Enge im Hals, Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust, Übelkeit oder Bauchbeschwer-den, Schwindel-, Unsicherheit-, Ohnmachts- oder Benommenheitsgefühle, Gefühl, dass Dinge unwirklich sind (wie im Traum) oder dass man selbst “nicht richtig da” ist, Hitzewallungen oder Kälteschauer, Taubheits- oder Kribbelgefühle) sowie Angst, die Kontrolle zu verlieren, „wahn-sinnig” oder ohnmächtig zu werden und Angst zu sterben. Diese Panikattacken treten plötzlich auf und nehmen während ca. 10 Minuten an Stärke zu. Die Panikattacken können aus heiterem Himmel auftreten – in der Mehrzahl der Fälle ist jedoch die Panikstörung mit einer Agoraphobie verbunden.
Agoraphobie
F40.0
ohne Panikstörung
F40.00
mit Panikstörung
F40.01
Bei der Agoraphobie mit Panikstörung tritt zu den beschriebenen Panikattacken die Angst vor Orten hinzu, an denen im Falle des Auftretens einer Panikattacke eine Flucht schwer möglich wäre oder peinliches Aufsehen erregen würde. Am häufigsten treten Angstanfälle in Menschenmengen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder in engen Räumen (z.B. Fahrstühlen) auf. Angst vor dem Alleinsein ist ebenfalls häufig. Die Anwesenheit von Begleitpersonen reduziert die Angst.
Generalisierte Angststörung
F41.1
Die Patienten leiden unter den körperlichen Ausdrucksformen der Angst (Zittern, Herzrasen, Schwindel, Übelkeit, Muskelverspannungen usw.) sowie unter Konzentrationsstörungen, Nervosität, Schlafstörungen und anderen psychischen Symptomen. Im Gegensatz zur Panikstörung treten diese Symptome allerdings nicht gleichzeitig in Form eines Anfalls, sondern in wechseln-der Kombination als unterschwelliger Dauerzustand auf. In der Regel können die Patienten nicht angeben, wovor sie eigentlich Angst haben. Die Patienten werden aber auch durch ständige Sorge gequält, z.B. dass ihnen oder ihren Verwandten Unfälle zustoßen oder sie erkranken könnten. Zudem machen sich die Patienten meistens Sorgen über ihre permanente Besorgtheit („Meta-Sorgen“).
Soziale Phobie
F40.1
Die Patienten haben vor Situationen Angst, in denen sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen – z.B. haben sie Angst vor dem Sprechen in der Öffentlichkeit, vor Vorgesetzten, Behördengängen, Kontakten mit dem anderen Geschlecht und anderen Situationen. Dabei befürchten sie, sich peinlich oder ungeschickt zu verhalten oder negativ bewertet zu werden.
Spezifische (isolierte) Phobie
F40.2
Hierbei beschränkt sich die Phobie auf einzelne, umschriebene Situationen, die sich meistens auf Gegebenheiten der Natur beziehen (z.B. Katzenphobie, Blutphobie oder Höhenangst).
Angst und depressive Störung, gemischt
F41.2
Gleichzeitiges Bestehen von Angst und Depression, wobei weder das eine noch das andere vorherrscht. Allerdings darf die Störung nicht stark so ausgeprägt sein, dass die Kriterien einer Angststörung oder einer Depression erfüllt werden.

Spezifische Phobien sind mit einer 12-Monatsprävalenz von 10,3 % am häufigsten (2); die betroffenen Patienten nehmen aber selten eine Behandlung in Anspruch. In der Häufigkeit folgen die Panikstörung/Agoraphobie mit 6,0 %, die soziale Phobie mit 2,7 % und die generalisierte Angststörung mit 2,2 %.

Ursachen von Angststörungen

Angststörungen zählen zu den sogenannten komplex-genetischen Erkrankungen, die dadurch gekennzeichnet sind, dass Umweltfaktoren mit multiplen genetischen Varianten bei der Krankheitsentstehung zusammenwirken können.
Mögliche Ursachen und negative Umweltfaktoren, die eine Angststörung begünstigen können, sind z.B.:

  • Missbrauch und Vernachlässigung (emotional und/oder körperlich)
  • sexuelle Gewalt
  • chronische Erkrankungen
  • Verletzungen
  • Todesfälle
  • Trennungen/Scheidungen oder
  • finanzielle Probleme

Positive Umweltfaktoren, die trotz genetischer Disposition die Wahrscheinlichkeit, eine Angststörung zu entwickeln, senken, also die Resilienz erhöhen, sind z.B.:

  • sichere Bindungserfahrungen
  • stützende Lernerfahrungen
  • Vertrauen in eigene Problemlösungs- und Bewältigungsstrategien
  • ein stabiles soziales Netzwerk

Therapieziele in der Habichtswald-Klinik

Allgemeine Ziele der Therapien und Behandlungen sind:

  • Angstsymptome und Vermeidungsverhalten zu reduzieren
  • Die Rückfallwahrscheinlichkeit zu reduzieren
  • Die Einschränkung der Bewegungsfähigkeit zu bessern
  • Die soziale Integration zu verbessern
  • Die berufliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen
  • Die Lebensqualität zu verbessern

Aus der breit gefächerten Symptomatik der Angst- und phobischen Störungen lässt sich eine Reihe von Therapiezielen direkt ableiten:

  • Zunächst hat die Aufklärung der PatientInnen über körperliche und seelische Grundlagen von Angst einen hohen Stellenwert mit dem Ziel der verbesserten Introspektionsfähigkeit und der Wiedererlangung von Handlungsfähigkeit
  • Entspannungsförderung, Stressmanagement und Angstmanagement im Speziellen oder generell folgen dann als nächste Schritte und geben die Basis für ein
  • Verstehen der Bedeutung der Angst im eigenen Leben
  • Erleben der Angst als blockierte oder in Sackgassen führende Energie
  • Entwicklung von Vorstellungen und Strategien, um bisher Gemiedenes und nicht Gelebtes wieder oder neu ins eigene Leben zu integrieren. Dazu dienen bei Indikation auch individuell abgestimmte Angstexpositionen.
  • In der Therapie eingeübte Veränderungen im mentalen und emotionalen Erleben und im Verhalten bilden dann die Grundlage für die Entwicklung konkreter Vorstellungen für das Alltagsleben nach der Entlassung aus der Klinik

Die Behandlung in der Habichtswald-Klinik

Grundlegend wichtig im Sinne der ganzheitlichen Behandlung ist uns die Herstellung und Erhaltung einer die Heilung fördernden, respektvollen, achtsamen und entspannten Atmosphäre. Dies drückt sich auf allen Ebenen aus, vom mitmenschlichen Kontakt bis hin zur Gestaltung der Räumlichkeiten.

Die Behandlung erfolgt in einem fachärztlich geleiteten, langjährig erfahrenen, multiprofessionellen Team aus ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen, Körper- und KunsttherapeutInnen mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten und Krankenschwestern/Pflegern. Die Schwerpunkte sind Gruppen- und Einzeltherapie, auf kognitiv- verhaltenstherapeutischer Basis oder tiefenpsychologisch orientierte Therapie kombiniert mit systemischen, humanistischen und übenden Elementen. In Absprache mit den Patientinnen und Patienten werden in Einzelfällen angstlösende Medikamente verordnet. Standardisierte psychologische Testverfahren bei Aufnahme ergänzen die biographische Anamnese und überprüfen den Therapieverlauf am Ende des Aufenthaltes.

Seit vielen Jahren behandeln wir mit unserem ganzheitlichen multimodalen Therapiekonzept Patientinnen und Patienten mit Angststörungen sehr erfolgreich. Dabei hat sich unser Therapiekonzept im Laufe der Jahre auch fließend gewandelt, entsprechend einmal unserer zunehmenden Erfahrung mit dem, was Patientinnen als hilfreich, sinnvoll und heilsam erlebt und uns rückgemeldet haben, zum anderen angeregt durch neue wissenschaftliche Forschungsergebnisse und Versorgungsleitlinien.

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